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Sensationsfund - Hoffnung auf Grottenolm-Nachwuchs

Sie ist zurück: die Hoffnung, dass es im Olmensee der Hermannshöhle erstmals Nachwuchs geben könnte. Mittels Ultraschall der Rübeländer Grottenolme am 3. Juni entdeckte ein Forscherteam des Leibnitz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung Berlin unter Leitung der Grottenolm-Expertin Dr. Anne Ipsen mehrere befruchtete Eier im Eileiter eines Weibchens.

„Wir konnten unseren Augen kaum trauen“, so Thomas Schult, Betriebsleiter der Rübeländer Tropfsteinhöhlen, am vergangenen Mittwoch, „aber da waren tatsächlich befruchtete Grottenolm-Eier im Ultraschall zu sehen!“. Nach dem letztmaligen Fund von Grottenolm-Eiern in den Jahren 2016/2017 hofft man in Rübeland erneut auf Nachwuchs der seltenen Tierart. Im Rahmen des aktuellen LEADER-Förderprojektes „Konzeptentwicklung zur langfristigen Sicherung des Vorkommens der Grottenolme in der Hermannshöhle“ entdeckte ein Forscherteam bestehend aus Experten des Leibnitz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung Berlin unter der Leitung von Dr. Anne Ipsen von der Gesellschaft für Freilandökologie und Naturschutzplanung mbH Kiel mehrere Grottenolm-Eier, die befruchtet scheinen.

Das Treffen des Experten-Teams mit dem Betriebsleiter der Rübeländer Tropfsteinhöhlen am 3. Juni 2020 sollte den Auftakt für das weitere Projekt bilden. „Das Team von Dr. Ipsen unterstützt uns dabei, Handlungsempfehlungen für die Nachzucht der Grottenolme in Rübeland zu entwickeln“, erklärt Schult. Die Basis hierfür sei die gründliche Untersuchung der aktuell im Olmensee lebenden Tiere: „Um den aktuellen reproduktiven Zustand der Tiere zu kennen, wurden drei der Grottenolm-Weibchen mit Hilfe eines hochmodernen, tragbaren Ultraschallgerätes am Olmensee untersucht“, führt Ipsen aus. Zur Freude der Projektbeteiligten konnten im Rahmen der ersten Ultraschalluntersuchung bei allen drei Weibchen Hinweise auf die grundsätzliche Fortpflanzungsfähigkeit nachgewiesen werden, eines der Weibchen trage aktuell vier Eier in sich. „Dass wir bei dieser ersten Untersuchung direkt auf Grottenolm-Eier stoßen, die reif zur Ablage sind, damit hat keiner gerechnet!“, freut sie sich. So konnte erstmals nachgewiesen werden, dass die Eier auch tatsächlich befruchtet sind. Es seien Strukturen in einem Ei erkennbar, die darauf hindeuten, dass die Embryonalentwicklung eingesetzt habe, die letztlich zur Entwicklung der Olmenlarve führen könnte.

„In den nächsten Wochen werden die Olme nun erstmal in Ruhe gelassen, um die Chance, dass sich die Eier im Olmensee weiterentwickeln, zu erhöhen“, erklärt Ipsen. Nur sehr vorsichtig würde es darum gehen, zu kontrollieren, ob die Eier der weiblichen Olme tatsächlich abgelegt werden und ob und wie sich diese weiterentwickeln. Erst im Anschluss ginge es dann darum, diese Eier für die Alttiere unerreichbar zu machen, damit sie nicht gefressen würden. Die weiteren Untersuchungen in den nächsten Wochen werden dann genaueren Aufschluss darüber geben, wie sich die Eier entwickeln.

Nach dem erstmaligen Fund von Grottenolm-Eiern in den Jahren 2016/2017 war die Enttäuschung groß, als sich aus diesen keine Grottenolm-Sprösslinge entwickelten. So wurden in den letzten Jahren bereits Umbauten im sogenannten Olmensee der Hermannshöhle vorgenommen, um mehr Rückzugsmöglichkeiten für die paarungsbereiten Grottenolme zu schaffen. Weitere Maßnahmen sind bereits in Planung.

Der Grottenolm als solcher ist bis dato noch wenig erforscht. Das zur Gattung der Schwanzlurche zählende Tier hat sein natürliches Verbreitungsgebiet ausschließlich im Dinarischen Karst auf dem südwestlichen Balkan so z.B. in Slowenien und Kroatien. In die Rübeländer Hermannshöhle wurden die ersten fünf Tiere 1932 durch den Menschen verbracht. Der Olmensee ist damals eigens dafür künstlich angelegt worden. Seitdem hat sich die Größe der Population mittels Verbringung neuer Tiere durch den Menschen mal erweitert und durch Revierkämpfe und das hohe Alter der Tiere mal reduziert. Aktuell leben im Olmensee 7 Grottenolme, davon 3 männliche und 4 weibliche Tiere, die im Minimum 85 Jahre alt sind.

Die Rübeländer Tropfsteinhöhlen (Baumannshöhle und Hermannshöhle) gehören zu den ältesten und bekanntesten Schauhöhlen Deutschlands. Sie liegen inmitten der einzigartigen Naturkulisse des Harzes, eingebettet in das Tal der Bode, im Höhlenort Rübeland. Als geologisches Naturdenkmal sind sie in ihrer Art einzigartig und faszinierend: sie führen hinab in eine abenteuerliche Untertagewelt mit farbenprächtigen und fantasievollen Tropfsteinen. Weitere Informationen zu den Rübeländer Tropfsteinhöhlen sowie den dort lebenden Grottenolmen sind unter www.harzer-hoehlen.de sowie Tel. 039454 – 49132 erhältlich.


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