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Abgelegte Eier im Olmensee entdeckt

RÜBELAND. Eine nahezu angespannte Stille umgibt den Olmensee der Rübeländer Hermannshöhle am vergangenen Freitagmorgen. Mit versteinerter Mine blicken die Wissenschaftler auf den Bildschirm des Endoskops, das gerade einen Steinhaufen im Wasser untersucht. Dann endlich, ein Aufatmen geht durch die Reihe, in den Gesichtern steht pure Freude geschrieben. Dort zu sehen: ein abgelegtes Grottenolm-Ei.

 

„Wir haben so sehr gehofft, dass wir dem Traum vom Grottenolm-Nachwuchs ein kleines Stückchen näherkommen“, erklärt Expertin Dr. Anne Ipsen am vergangenen Freitag, „und dann sehen wir da tatsächlich ein kleines Ei im Bildschirm aufleuchten.“ Nachdem Anfang Juni bei einer Ultraschall-Untersuchung der weiblichen Olme befruchtete Eier in deren Eileiter entdeckt wurden, kam das Wissenschaftlerteam rund um Dr. Ipsen am 21. August erneut am Olmensee der Hermannshöhle zusammen. Mittels Endoskop und Rotem Licht wurden die Steinhaufen im See mit äußerster Vorsicht untersucht. Und tatsächlich konnte an zwei Stellen im See je ein abgelegtes Grottenolm-Ei gefunden werden. „Eine absolute Sensation!“, bestätigt Ipsen.

 

Doch wie geht es jetzt weiter? So richtig wisse man das noch nicht. „Über die außergewöhnliche Spezies der Grottenolme ist bislang nur wenig bekannt“, erklärt Prof. Dr. Thomas Hildebrandt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Zusammen mit Kollegin Dr. Susanne Holtze sei man sich jedoch einig, dass es zunächst wichtig sei, die Eier vor äußeren Einflüssen sowie den erwachsenen Artgenossen, die von Natur aus kannibalistisch veranlagt seien, zu schützen. Aus diesem Grund wurden über die zwei erkannten Gelege eigens angefertigte Edelstahlkuppeln gesetzt, die zunächst die Eier und später die geschlüpften Olmen-Larven vor den Artgenossen schützen sollen.

„Darüber hinaus haben wir in den See neue Reviere in Form von Glasscheiben eingebracht, die wir über kleine Steinhaufen gelegt haben und die in Teilen mit angerauten Flächen versehen sind“, erklärt Holtze. „Hier können die Grottenolme neue Eier einfacher anheften und uns verschaffen sie die Möglichkeit, diese störungsfrei bei der Entwicklung zu beobachten“, ergänzt Hildebrandt.

 

Wie lange es dauert, bis aus den Grottenolm-Eiern Larven schlüpft, sei nicht ganz klar. „Wir haben nun erst einmal alle Voraussetzungen geschaffen, dass sich die Eier optimal weiter entwickeln können“, freut sich auch die Betriebsleitung der Tropfsteinhöhlen Rübeland bestehend aus Thomas Schult und Markus Mende. „Wir werden vermutlich in drei bis vier Wochen die Lage erneut überprüfen und dann entscheiden, wie es weiter geht“, so Schult.

 

Weitere Informationen zu den Rübeländer Tropfsteinhöhlen sowie den dort lebenden Grottenolmen sind unter www.harzer-hoehlen.de sowie Tel. 039454 – 49132 erhältlich.


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