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Was ist aus den Olmen-Eiern geworden?

Gibt es endlich die frohe Botschaft vom ersten Olmen-Nachwuchs in Deutschland zu verkünden? Diese Frage stellte sich zuletzt nicht nur das Forscher-Team rund um Dr. Anne Ipsen, Grottenolm-Expertin und Leiterin des Projektes „Konzeptentwicklung zur langfristigen Sicherung des Vorkommens der Grottenolme in der Hermannshöhle Rübeland“. Nach dem Fund abgelegter und befruchteter Olmen-Eier am 21. August 2020 wurde Tieren und potenziellem Nachwuchs Ruhe gegönnt – nach einer erneuten Untersuchung kann nun Bilanz gezogen werden.

Die Stimmung im Forscher-Team ist wie schon im August vorfreudig und angespannt zugleich. Nun wird sich endlich zeigen, ob sich in den vergangenen Wochen etwas im Olmensee der Rübeländer Hermannshöhle getan hat. Prof. Dr. Thomas Hildebrandt und Dr. Susanne Holtze vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin schauen gespannt auf den Bildschirm des Endoskops, mit dem die Käfige, die zum Schutz über die abgelegten Olmen-Eier gesetzt wurden, auf Olmen-Larven überprüft werden. Doch nach mehrfachem Absuchen der Steinhaufen und Areale die Ernüchterung: keine Olmen-Larven und auch keine Grottenolm-Eier mehr.

„Wir hatten so sehr gehofft, dass es dieses Mal mit dem Nachwuchs geklappt haben könnte“, erläutert Ipsen enttäuscht. Die Voraussetzungen seien jedenfalls bestmöglich geschaffen worden: die Eier wurden von den ausgewachsenen Tieren isoliert, der Olmensee trotz normalem Besucherverkehr in der Hermannshöhle nicht weiter illuminiert und die Besucher aktiv darauf hingewiesen, sich im Bereich des Sees ruhig zu verhalten. „Aus unserer Sicht hätten die Bedingungen nicht besser sein können“, bestätigt auch Thomas Schult, Betriebsleiter der Rübeländer Tropfsteinhöhlen.

Doch wie geht es nun weiter? Ist der Traum vom ersten Grottenolm-Nachwuchs in Deutschland für immer geplatzt? Von den Projektbeteiligten kommt ein eindeutiges Nein. „Wie die letzten Jahre gezeigt haben, kommt es immer wieder zu Ei-Ablagen im See“, erklärt Ipsen. „Um die natürlichen Vorgänge zu unterstützen, haben wir bei den letzten Untersuchungen bereits Glasscheiben in den See gebracht und diese über kleine Steinhaufen gesetzt“, erläutert Ipsen weiter. Das Besondere an den Scheiben: an der Unterseite sind diese angeraut, sodass die Eier dort besser anhaften können. „Wir haben damit weitere Verstecke für die Olme geschaffen, unter die wir, auch ohne sie anheben zu müssen, drunter schauen können“, erklärt Ipsen. „Vielleicht ist das dann der Durchbruch, um zukünftige Eier rechtzeitig zu isolieren, ohne eine Störung zu verursachen.“

So wird die Hoffnung von Grottenolm-Nachwuchs in Rübeland nicht aufgegeben: „Wir werden den See und die Grottenolme weiterhin regelmäßig kontrollieren und untersuchen und hoffen, irgendwann in der Zukunft dann endlich von ersten Grottenolm-Jungen berichten zu können“, schließt Schult vorerst ab. Jetzt heißt es erstmal „Durchatmen“ und die Ereignisse sich setzen lassen. Die Hermannshöhle und ihre Bewohner gehen von November bis April aus Gründen des Fledermaus-Schutzes erst einmal in den Winterschlaf. Und wer weiß, vielleicht nutzen die Grottenolme die Ruhezeit und lassen der Natur bis zum nächsten Frühjahr freien Lauf; die Spannung und der Optimismus bleiben.

Der Grottenolm als solcher ist bis dato noch wenig erforscht. Das zur Gattung der Schwanzlurche zählende Tier hat sein natürliches Verbreitungsgebiet ausschließlich im Dinarischen Karst auf dem südwestlichen Balkan so z.B. in Slowenien und Kroatien. In die Rübeländer Hermannshöhle wurden die ersten fünf Tiere 1932 durch den Menschen verbracht. Der Olmensee ist damals eigens dafür künstlich angelegt worden. Seitdem hat sich die Größe der Population mittels Verbringung neuer Tiere durch den Menschen mal erweitert und durch Revierkämpfe und das hohe Alter der Tiere mal reduziert. Aktuell leben im Olmensee 7 Grottenolme, davon 3 männliche und 4 weibliche Tiere, die im Minimum 85 Jahre alt sind. Weitere Informationen sind unter Tel. 039454 – 49132 erhältlich.


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